Was Trader von Casinos und Versicherungen lernen können

Betrachtet man sich die wirklich erfolgreichen Börsianer, seien es nun Trader oder Investoren, so eint sie alle, dass sie seit Jahrzehnten konsequent das Gleiche tun und ihre Strategien durch Wind und Wetter, in guten und schlechten Zeiten konsequent beibehalten. Sie springen nicht auf Modeerscheinungen und neuartige Geheimmethoden auf, die genauso schnell wieder in der Versenkung verschwinden, wie sie empor gestiegen sind. Sie haben eine innere Überzeugung und ein Wissen um die Qualität und Sinnhaftigkeit ihrer Herangehensweise und lassen sich von nichts und niemandem beirren. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit um die Jahrtausendwende, als blutige Anfänger (zu denen auch ich damals zählte) meinten, sie seien schlauer als der Markt und auch schlauer als die ganzen alten Hasen. Es galt als unmodern, wenn man (wie Buffett) Aktien mit wirklichem Wert dahinter kaufte, statt sich bei Aktien von Unternehmen, die in 100 Jahren noch nicht einen Cent Gewinn machen würden, ein nicht existentes KGV schön zu reden. Warren Buffett wurde für seine unbeirrt konservative und auf Value ausgerichtete Vorgehensweise von nicht wenigen belächelt. Dann kam das Platzen der Techblase, der Zusammenbruch von zahlreichen wertlosen Aktien, hin zu deren fairen Wert und es brach das große Schweigen aus.

Trader machen heute in den ersten 5-6 Jahren (sofern sie überhaupt solange durchhalten) noch immer die gleichen Fehler, wie in meiner Anfängerzeit. Sie handeln nach Bauchgefühl, sie handeln Meinungen und vor allem wechseln sie ihre Strategien häufiger als ihre Unterwäsche. Meiner Erfahrung nach halten Trader vier bis fünf Verluste in Serie aus, dann beginnen sie bereits irgendetwas zu ändern. Entweder setzen sie die Strategie dann aus, schließen vorschnell Positionen aus Angst, die Gewinne wieder abzugeben, fahren den Einsatz pro Trade aus Angst herunter oder erhöhen ihn. Im Umgang mit Draw Downs verhalten sich Trader wie trotzige Kinder, denen man ihre Barbiepuppe weggenommen hat. Betrachtet man sich, wie viele Trader eine Strategie durch Aufs und Abs konsequent über zwei bis drei Jahre hinweg umsetzen, so bleibt die ernüchternde Erkenntnis, dass dies gerade einmal eine Handvoll Börsianer tun. Die anderen werden wiederholt in Draw Downs flügge und hechten zuverlässig den Performances hinterher, weil sie typischerweise in eine Strategie wechseln, die in der vorherigen Marktphase, in der das eigene System schlecht performte, erfolgreich waren. Damit springt man dem nächsten Draw Down mit offenen Armen entgegen, denn kein System kann in verschiedenen Marktphasen gleich gut performen.

Dabei gibt es haufenweise gute Vorbilder für das richtige Verhalten. Und damit meine ich nicht nur die alten Hasen, wie Warren Buffett oder aus dem Tradingbereich Larry Williams, sondern auch aus der Wirtschaft sehr profitable Geschäftsmodelle, wie Casinos und Versicherungen. Stellen wir uns einfach einmal vor, eine Versicherung legt ein neues Produkt auf: Versicherungen für Kraftfahrzeuge und schließt mit dem ersten Kunden ab. Der Kunde fährt vom Hof, übersieht ein von rechts kommendes Fahrzeug und bumm: Totalschaden, die Versicherung muss zahlen! Sagt eine Versicherung in dem Fall „Oh, wir hatten gehofft, dass wir bei den ersten Kunden Geld verdienen und nicht direkt welches auszahlen müssen. Wir machen dieses Geschäftsfeld wieder zu, da es uns zu riskant ist!“? Ganz sicher nicht! Der Versicherungskonzern weiß, dass der statistische Vorteil auf Dauer auf seiner Seite ist und dass er einfach tausende und abertausende Kunden braucht, um dem statistischen Erwartungswert nahe zu kommen. Denn was dem ersten Versicherungsnehmer passierte, wird eben eher selten vorkommen.  Die Versicherung macht das, was ein Trader auch machen muss: Einen statistischen Vorteil unabhängig von Einzelergebnissen über das Gesetz der großen Zahlen auszuspielen. So, wie die Versicherung tausende, eher sogar hunderttausende oder Millionen von Kunden haben wird, braucht ein Trader viele tausend Trades, die er methodisch korrekt abwickelt. Dann und nur dann kann er den Erwartungswert seines Systems mit hoher Wahrscheinlichkeit auch real treffen. Auf dem Weg dorthin wird es Einzelfälle geben, die deutlich negativ abweichen. Doch diese dürfen ihn nicht beirren!

Ein Casino macht die Schotten schließlich auch nicht dicht, nur weil mal eine Gruppe von Leuten komprimiert viel Geld gewonnen hat. Das Casino kennt seinen statistischen Vorteil und tut alles, um diesen über das Gesetz der großen Zahlen (viele Spieler, die möglichst lange und oft spielen sollen, weshalb es beispielsweise Gratisgetränke gibt) auszuspielen. Auch wenn Trading und Börse nichts mit Glücksspiel zu tun haben. Im Casino, bei Versicherungen und im Trading wird ein Geschäft mit statistischen Wahrscheinlichkeiten betrieben.

Um die Jahrtausendwende herum haben übrigens Versicherungen teilweise die Fehler von Trading-Anfängern begangen – mit dem gleichen Ende: Großen finanziellen Einbußen. Zunächst waren die Konzerne mit ihren Portfolios viel zu stark im Aktienmarkt engagiert. Und dann packte sie die Angst und sie schmissen am absoluten Bärenmarkttief einen Großteil der Positionen für Lau weg.

 

Viel Erfolg und gute Trades wünscht Ihnen

 

René Wolfram
www.realmoneytrader-akademie.de

 

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