[RealMoneyTrader]: So werden Sie ein sehr erfolgreicher Trader und Investor (Teil 3)

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Wer für sich allein das Börsengeschäft betreibt hat mitunter das Problem, Fehler und bestimmte, wiederkehrende Verhaltensmuster spät oder gar nicht zu erkennen. Denn nicht jeder Trader hat das persönliche reflektieren als Stärke. Neben den nunmehr 20 Jahren als Trader darf ich auch auf knapp 14 Jahre als Mentor und Coach für Trader zurückblicken. Dafür bin ich unheimlich dankbar, denn dadurch wurden mir klassische Fehler von uns Tradern viel bewusster, als wenn ich nur mich selbst als Objekt der Analyse gehabt hätte. Weit mehr als 1000 Trader habe ich über die Jahre aus- und weitergebildet. Selbstverständlich ist jeder Mensch anders und das gilt auch für Trader. Dennoch lassen sich zwei wesentliche Fehler als große gemeinsame Nenner bei der überwältigenden Mehrheit der Trader herausarbeiten. Diese möchte ich mit all ihren Facetten mit Ihnen teilen, um zumindest Denkprozesse in Gang zu setzen, die künftig zu besseren Ergebnissen führen dürften.

Realismus

Daran hapert es am Allermeisten! Wer sich mit der Börse beschäftigt, der sollte sich darüber im Klaren sein, dass in diesem Geschäft zwischen 95 und 98% der Beteiligten am langen Ende Geld verlieren bzw. nichts verdienen. Um es klar zu betonen: Zwischenzeitlich und durchaus für eine Weile (das können durchaus auch mal 2-3 Jahre sein) verdient nahezu jeder Geld. Das ist oft den günstigen Marktbedingungen geschuldet, in denen derjenige (in der Regel geht es bei fast jedem so los) auf die Börse aufmerksam wird. Der Markt spült einen einfach mit. Manches ist einfach Glück und sicher schaffen es auch einige, ganz gute Transferleistungen aus ihren eigentlichen Jobs und dem dort benötigten allgemeinen Sachverstand hin zum Trading zu leisten. Aber auf Dauer, nach 5, 6 oder 7 Jahren ist die Großzahl der Börsianer wieder weg vom Markt. Wer sich dessen nicht bewusst ist und es sich immer wieder ins Gedächtnis ruft, wird nie den dringend nötigen Respekt vor der Börse, den Kontrahenten und der Komplexität von Trading entwickeln können. „Ich bin ein professioneller Fehlermacher!“, sagt Ray Dalio von sich. Er ist einer der erfolgreichsten Hedge-Fonds-Manager überhaupt. „Ich mache Fehler und lerne daraus. Und das wieder und wieder.“, so Ray weiter. Unter den Retail-Tradern sind teils absurde und naive Vorstellungen verbreitet, wie schnell man Trading erlernen kann und wie weit es zu perfektionieren ist.

„Wann kann ich denn (mit dem Handeln) loslegen? Ich muss Geld verdienen, möchte nicht zu lange warten!“, sagte nicht nur ein Coaching-Kunde zu mir. Diesen Satz habe ich so oft gehört. Jetzt stellen Sie sich mal vor, dieser Satz käme von einem Pilotenanwärter, der gerade die erste Theoriestunde absolviert hat. Nehmen wir mal an, Sie sind ein Elternteil dieses Pilotenanwärters. Und sie hören Ihr eigenes Kind quasi sagen, dass es ohne zu wissen, wie es funktioniert, in das Cockpit eines Flugzeugs steigen will, um einfach schnell loslegen zu können. Das wäre doch der sichere Tod! An der Börse ist die Denke verbreitet, dass man sich schnell mal zwei bis drei Bücher reinzieht, sich zu einem Seminar dazusetzt und dann ist man Profi. Ich kenne natürlich nur eine kleine Zahl von Tradern, betrachtet man es global. Aber ausnahmslos jeder heute professionelle Trader, den ich je getroffen habe, hat zwischen 4 und 6 Jahren benötigt, ehe er auch nur daran denken konnte, vom Trading zu leben. Der durchschnittliche Retail-Trader gibt sich so etwa 12 Monate, dann will und muss er profitabel sein. Viele glauben sogar, dass sie ein paar Regeln auswendig lernen müssen und damit sei das „Lern-Prozedere“ abgeschlossen. Eine Aussage, wie die von Ray Dalio, verursacht bei vielen Hobby-Börsianern Kopfschütteln. Glauben sie doch, ein Profi müsse alles wissen. Ich persönlich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, dass es mich erschreckt, wie wenig ich anfangs wusste, während ich bereits große Beträge handelte. Und es ist auch unglaublich, wie viel ich noch hinzugelernt habe, als ich diesen Job bereits viele Jahre hauptberuflich und professionell ausübte. Natürlich denkt man sich manchmal: „Das hätte ich aber auch vorher wissen können.“, doch ich bin der festen Überzeugung, dass Lerneffekte nachhaltiger, weil fester verankert sind, wenn sie auf einer empirischen und schmerzhaften Erfahrung gründen.

Ein riesen Problem haben nahezu alle Trader-Neulinge damit, zu akzeptieren, dass es in diesem Geschäft kein lineares Auszahlungsprofil gibt. Dieser Punkt ist insofern kritisch, als wir Zeit unseres Lebens darauf konditioniert sind, sofort bzw. regelmäßig be- und entlohnt zu werden. Als Kind hat man eine gute Note mit nach Hause gebracht und bekam einen bestimmten Betrag, je nach Note. Dass man eine eins geschrieben hat, der Vater dann aber sagte „Dafür gibt es nichts und Du wäschst sogar noch mein Auto“, das wäre unvorstellbar gewesen. An der Börse, im Trading passiert aber genau das manchmal. Sie machen methodisch alles richtig, halten sich an die Regeln, doch das Ergebnis ist negativ im Einzelfall oder gar in einer Serie von Fällen. Aus dem Berufsleben kennen es die Allermeisten, dass es monatlich Gehalt gibt. Ob man gut, schlecht, wenig, viel gearbeitet hat, ja sogar bei Krankheit bekommt man seinen Lohn. Hier habe ich insofern einen Vorteil gegenüber den meisten von Ihnen, als ich schon immer selbstständig war. Ich kenne keine linearen Auszahlungsprofile, bin somit auch nicht daran gewöhnt. In der Praxis komme ich im langfristigen Durchschnitt auf etwa 45 bis 50% Rendite per anno. Doch die einzelnen Jahre können dabei variieren. Es gibt Jahre, in denen ich über 100% Performance mache, andere mit 70%, aber da sind auch mal Jahre dabei, in denen ich nur 13% Plus oder in seltenen Fällen auch mal 15% Minus mache. Wenn Sie nur diese tatsächlichen Zahlen aus den letzten 4 Jahren meines Handelns nehmen, dann wird deutlich, worauf es ankommt, was aber nur mit einer gehörigen Portion Realismus klappt: Konsequente Umsetzung über einen langen Zeitraum, sprich:

 

Ausdauer

Statistiken von Brokern belegen, dass viele Trader lediglich zwischen 3 Monaten und 2 Jahren am Markt aktiv sind. Im Durchschnitt deutlich unter einem Jahr!  Wenn jemand Pech hat, und vielleicht die beiden Jahre erwischt, in denen es einmal Minus 15 und einmal plus 13 Prozent Performance gibt, so ist dieser frustriert und wird möglicherweise die Segel streichen oder den Ansatz wechseln. Jemand, der die beiden sehr guten Jahre mit 70 und 100% Performance erwischte, wird schwärmen. Beide handeln den gleichen Ansatz. Sie nutzen die gleichen Regeln, haben den gleichen Mentor. Alles ist gleich. Nur die Startzeitpunkte (zufällig gewählt) variieren. Würden beide 10 Jahre konsequent diesen Ansatz verfolgen, so wäre die Diskrepanz zwischen den Ergebnissen gering. Doch die Erfahrung zeigt, dass Draw Downs immer zu einem Verwerfen der Methodik bei Retail-Tradern führen, während starke Performance im Vorjahr sie anlockt. Ein fataler Modus, wenn wir uns bewusst machen, dass es einen ständigen Wechsel zwischen guten und schlechten Phasen gibt. Wie bereits an anderer Stelle geschrieben: Diesen steten Wechsel begriffen und verinnerlicht zu haben, ist das A & O für einen Trader und Investor. Denn ohne diese tiefgreifende Erkenntnis wird er niemals ausdauernd genug sein, um mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den statistischen Vorteil einer Systematik ausspielen zu können.

90/10-Verteilung: Das Auszahlungsprofil variiert freilich von Markt zu Markt und von Strategie zu Strategie. Doch im Großen und Ganzen lässt sich sagen, dass 90% der Profite aus etwa 10% der Trades kommen. In der restlichen Zeit fabriziert man mehr oder weniger ein Nullsummenspiel. Anders ausgedrückt: Sie machen 100 Trades, davon sind 10 Stück wirklich große Gewinner. Doch diese sind diffus und unvorhersehbar verteilt zwischen den anderen 90. Weil wir keine Hellseher sind müssen wir also die anderen 90 Trades auch machen, obwohl wir damit nichts verdienen. Doch ohne sie verpassen wir die wirklichen „Big Trades“!

Gute Strategien/Systeme sind relativ frei belassen und nur moderat gefiltert (optimiert). Dadurch passen sie auf eine Marktphase besser, auf eine andere schlechter. Der Wechsel wäre möglicherweise gar kein allzu großes Problem, wenn er schneller erfolgen würde und öfter, als das in der Realität leider der Fall ist. Im nachfolgenden Chart sehen Sie den VIX (Volatilitäts Index des S&P 500). Er bildet die impliziten Volatilitäten ab und gibt grob vereinfacht gesagt, die Schwankungsintensität des Marktes wider. Sie sehen, dass Phasen niedriger und hoher Vola naturgemäß über mehrere Jahre andauern.

 

Abbildung: VIX von 1992 bis einschließlich 2017

 

Die einzelnen Marktphasen, also jene Phasen, die maßgebend sind, ob eine Strategie eher Geld verdient oder nicht, ob es viel ist oder wenig – diese Phasen dauern zwischen 2 und 4 Jahren an, wenn wir die Historie heranziehen. Viele CFD-Konten sind bereits nach 3 Monaten platt. Aus meiner Coaching-Arbeit weiß ich, dass 12 Monate ein Zeitraum sind, über den viele konsequent handeln, dann aber Bilanz gezogen wird. Fällt diese negativ aus, wird etwas geändert. Meist der Ansatz! Was wir persönlich, aus reinem Zeitempfinden als „lange“ empfinden ist, völlig subjektiv und hat mit dem Markt nichts zu tun. Wenn ich aber Geld aus dem Markt holen möchte, dann gibt es nur eine Möglichkeit: Ich muss mich dem Markt anpassen und seine Gegebenheiten akzeptieren. Dauern Phasen 2-4 Jahre, so kann ich nicht nach 1-2 Jahren aufhören, sondern sollte eben ein Zeitfenster von 3-4 Jahren ansetzen, ehe ich Bilanz ziehe. Und in dieser Zeit sollte konsequent und ohne Angst durchgehandelt werden. Anders herum wird garantiert keine Anpassung stattfinden. Doch genau so denken und handeln viele Trader. Sie gehen nach ihren Befindlichkeiten, schreiben eine Art Wunschzettel und handeln damit nicht selten völlig am Markt und dessen Gegebenheiten vorbei. Was es aber braucht ist Ausdauer über einen angemessen langen Zeitraum und ein Bewusstsein dafür, welche Konsequenzen es hat, wenn Sie vorzeitig abbrechen. Sie können natürlich entgegen dessen, was uns der obige Chart objektiv anzeigt, so tun, als hätten Sie davon nie etwas gehört und als hätte Sie niemand darauf aufmerksam gemacht. Dann brechen Sie nach einem Jahr den Handel ab, resümieren für sich, dass die Strategie nicht funktioniert und geben anderen die Schuld an Ihrer mangelnden Ausdauer und dem fehlenden Realismus. Nur weiter wird Sie das auf keinen Fall bringen!

 

Ihr

René Wolfram

 

 

 

 

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