Klassische Indikatoren im Test – Teil I

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Womit sind Sie als erstes in Berührung gekommen, als Sie das Börsenfieber packte? Bei mir dauerte es nur wenige Wochen und ich malte Linien in Charts und packte unter die eigentlichen Preiskurven einen Indikator nach dem anderen. Es hat eine ganze Weile gebraucht, ehe ich verstanden hatte, dass klassische Methoden, seien es Kerzenformationen oder Indikatoren, mir am Markt ganz sicher keinen Vorteil verschaffen werden. Man muss verstehen, dass Indikatoren lediglich das verzögert und verzerrt darstellen, was am Markt längst passiert ist. Das ist in etwa so, wie wenn Sie eine Aufzeichnung eines Fußballspiels schauen und darauf Wetten platzieren wollen. Sie sind eindeutig und viel zu spät!

Über die Jahre entwickelte ich eigene, statistisch basierte Systematiken, die alle samt einen fundamentalen Basiseffekt im jeweiligen Markt nutzen. Mit Basiseffekt ist grob vereinfacht beschrieben gemeint, dass bedeutende Marktteilnehmer (Fonds oder kommerzielle Hedger) irgendetwas auf eine bestimmte Weise machen (müssen), weil sie das Volumen nicht anders unterbringen, weil sie in gewisser Regelmäßigkeit Absicherungsgeschäfte tätigen müssen etc. pp.

Ein klassischer Indikator hingegen tut so, als könne er das gesamte Marktverhalten in ein festes Schema pressen. Das kann gar nicht funktionieren, weil an den Märkten nur eines beständig ist: der Wechsel! Gemeint sind damit der Wechsel der Volatilität und der des Marktzustandes(Trend & Konsolidierung)! Ich habe nicht zuletzt durch internationale Tradingevents, auf denen ich als Sprecher auftreten durfte und durch meinen dritten Platz bei der Weltmeisterschaft 2013 einige erfolgreiche Trader kennengelernt. Keiner von ihnen nutzt klassische Indikatoren! Nun lebt die Börse natürlich von Ineffizienzen und einem Ungleichgewicht an Informationen/Wissen. So verwundert es kaum, dass man im Internet keine Abhandlung dazu findet, welche Ergebnisse klassische Indikatoren denn eigentlich erwirtschaften, wenn man sie konsequent zur Grundlage seiner Handelsentscheidungen macht. Stellen Sie sich das mal vor: Die bekanntesten Indikatoren, in tausenden Büchern gezeigt und proklamiert, aber es gibt keine Statistiken dazu, welche Ergebnisse sie erwirtschaften. Kann so etwas sein? Ja, offenbar!

Als ich neulich einen Tag bei meinem Programmierer zu Besuch war, um neue Strategie-Ideen zu testen kamen wir auf genau das Thema und haben das gemacht, was eigentlich jeder Trader machen sollte, ehe er auch nur einen Cent in den Markt setzt: Den wohl bekanntesten und beliebtesten Indikator getestet. Es handelt sich um einen Trendfolge-Indikator, wie Sie auch sehr schnell an der Equity-Kurve erkennen können. Diese bewegt sich über 25 Jahre fast durchgängig im negativen Terrain und hat ab und zu steile Performanceschübe, die die Equity wieder auf „Null“ zurück führen. Ein solches Bild in der Gewinn- und Verlustverteilung ist ganz typisch für simple Trendfolgemethoden. Hierzu müssen Sie wissen, dass Trendfolge zwar in vielen vermeintlichen Fachlektüren als Heilsbringer dargestellt wird, die Märkte aber in der Praxis nur in etwa 15% der Zeit überhaupt tendieren. Genau dieses Marktverhalten spiegelt die Kapitalkurve des Indikators wider. Es sind eben die einzelnen, stark komprimierten Phasen, in denen ein extrem starker und langatmiger Trend vorliegt, so dass selbst ein nachlaufendes System (welches also sehr spät erst entdeckt, dass da ein Trend vorliegt und genau so spät realisiert, dass dieser beendet ist) Geld verdient. Das sind dann die extremen Bullenphasen, wie Ende der 90er und ab 2009 oder aber dynamische Bärenmärkte, wie 2007/2008. Die hiesige Kapitalkurve sieht schaurig aus und bezieht sich auf den Tageschart. Natürlich haben wir auch andere Zeitebenen getestet, vom 1-Minuten-Chart bis hinauf zum Monatschart. Das ernüchternde (aber absehbare) Ergebnis: Der Indikator ist auf allen Zeitebenen ein Nullsummenspiel. Und zwar ein Nullsummenspiel im besten aller Fälle. In meinem statistisch basierten Handel produziere ich auch phasenweise Nullsummenspiele. Doch das sind die schlechten Phasen, in denen die Strategien einfach seitwärts verlaufende oder leicht abwärts gerichtete Kapitalkurven produzieren. Im Gegensatz zu dem Indikator hier bewege ich mich aber konstant im positiven Terrain und erlebe eine temporäre Stagnation.

Sicher wird niemand, der diese Kapitalkurve und einen Draw Down von 153.000 Dollar sieht, auf die Idee kommen, ein solches System jemals zu handeln. Ich bin mir aber sicher, dass so gut wieder jeder bereits viele Trades auf Basis dieses Indikators abgesetzt hat. Übrigens: Wenn Sie jetzt denken, man müsse nur ein wenig an den Parametern herumspielen und dann könne man eine positive Kapitalkurve für diesen Indikator erzeugen, dann lesen Sie bitte noch einmal, was ich weiter oben zum Thema Basiseffekt schrieb. Dieser Indikator nutzt keinen fundamentalen Basiseffekt, sondern er arbeitet im Gegenteil sogar am tatsächlichen Marktverhalten vorbei. Er erwartet quasi bei jedem Signal einen Trend, doch Sie können es selbst nachprüfen: Wirklich nachhaltig direktional sind Märkte nur sehr selten. In 85% der Zeit sind sie „untrendig“. Sie können also an den Parametern herumschrauben, wie Sie wollen: Dieses System wird nicht erfolgreich werden.

Nun habe ich Sie lange genug auf die Folter gespannt. Sie wollen sicherlich wissen, um welchen Indikator es sich handelt und ob ich Recht hatte mit meiner Vermutung, dass auch Sie ihn wahrscheinlich schon des Öfteren eingesetzt haben. Die Kapitalkurve zeigt die Ergebnisse sämtliche Signale (auf Tagesbasis) zwischen 1992 und Oktober 2016 für den MACD!

Indikator MACD
Abbildung: Equity eines MACD-Systems, welches jedes Kreuzen als Signal nutzt

 

Wichtiger Hinweis: Die Backtests wurden von einem fachkundigen Programmierer aus meinem Team mit Trade Navigator gemacht und nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Wer sich laienhaft mit Backtests befasst, bewegt sich meiner Erfahrung nach auf sehr dünnem Eis. Es gibt selbst bei vermeintlich simplen Strategien haufenweise Stolperfallen. Das beginnt bei dem Datenfeed, wo es erhebliche Qualitätsunterschiede gibt, setzt sich in der Wahl der Adjustierung der einzelnen Kontrakte (es gibt je nach Anbieter bis zu 20 verschiedene Varianten der Adjustierung) fort und mündet in Bedingungen, die man außerhalb der eigentlichen Logik hinzufügen muss, um nicht etwas völlig anderes zu testen, als das System, welches eigentlich auf dem Prüfstand stehen soll.

Eine komplette Ausbildung zum Trader mit Basiswissen zur Funktionsweise der Märkte, smarten und praxiserprobten Risikomanagement-Techniken, sowie konkreten, duplizierbaren Strategien, die zeit- und nervenschonend umsetzbar sind erhalten Sie in unserer RealMoneyTrader-Akademie. Unser Inner Circle-Paket ermöglicht auch, eigene Strategie-Ideen durch uns backtesten zu lassen und gibt zudem wertvolles Wissen für die Entwicklung robuster, dauerhaft funktionierender Systeme an die Hand. (www.realmoneytrader-akademie.de)

 

 

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